Alte Sichtweisen über das Altern: Solon

Alte Sichtweisen können uns helfen, über das Altern, Altwerden und Altsein mehr Klarheit zu erlangen.

Zum Beispiel teilte Solon (640 – 559 v. Chr.), Athens erster großer Staatsmann, ein vollständiges Menschenleben zehn so genannte Hebdomaden (Siebenjahres-Schritte) ein, die er in seiner Elegie über Alter und Altern beschrieb:

Knabe zuerst ist der Mensch, unreif: da wirft er der Zähne

Hag, der dem Kinde entspross, von sich im siebenten Jahr.

Wenn zum anderen Mal Gott schloss die Sieben der Jahre,

Zeichen der Mannheit dann keimen, der nahenden, auf.

Während der dritten umkraust sein Kinn – noch wachsen die Glieder –

Wolliger Flaum, da der Haut Blüte im Wandel verwich.

Nun in den vierten empor zu hohem vollem Gedeihen

Reift die Stärke, in ihr zeigt was tauge der Mann.

Mit den fünften gedeiht ihm die Zeit, der Freite zu denken

Und dass in Söhnen ersteh fürderhin währender Stamm.

Während der sechsten da breitet der Geist allseits sich ins Rechte,

Nimmer zu unnützem Tun treibt ihn hinfort noch der Mut.

Sieben Siebenerjahre und acht: im vollen Gedeihen

Stehen Zunge und Geist: vierzehn an Jahren zusamt.

Noch in den neunten ist tauglich der Mann, doch lässiger zeigen

Gegen das volle Gedeih‘n Zunge fortan sich und Witz.

Wer in die zehnten gelangte, die zehnten nach Maßen vollendend,

Kaum zur Unzeit wär‘s, träf‘ ihn die Neige des Tods.“ [1]

[1] Entnommen aus Max Wegner: Zeiten – Lebensalter – Zeitalter im archäologischen und kulturgeschichtlichen Überblick.

 

 

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