Das Alter in den Medien: unheilvolle Mischung aus Idealisierung und Abwertung

Es ist die Aufgabe des Staates, den gesellschaftlichen Wandel so zu gestalten, dass die Menschen die Chancen eines länger werdenden Lebens nutzen können. Bislang durchzieht stattdessen eine unheilvolle Mischung aus Idealisierung und Abwertung des Alters, aus Zweckoptimismus und Defizitangst die vielen Diskussionen und Publikationen und beherrscht die Altenpolitik. Politik, Lobbyisten und willfährige Medien drehen sich im Kreis und werden nicht müde, uns längst widerlegte Altersmythen aufzutischen: Dass zu viele und viel zu teure Senioren den viel zu wenigen Jungen auf der Tasche lägen, die für die Alten zahlen müssten.

  • Dass sich das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern dramatisch verschiebe.
  • Dass diese zunehmende Masse alter Menschen zusammen mit der zu niedrigen Geburtenrate schuld an den »leeren Sozialkassen« sei.
  • Dass man nichts anderes tun könne, als Renten zu kürzen, das Rentenalter hochzusetzen und die Alten an den Kosten, die sie verursachten, stärker zu beteiligen.
  • Und dass man den Jungen keine Hoffnung auf Änderung machen könne.

Wir sind hingegen aller Schwarzmalerei zum Trotz davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft sehr wohl in der Lage ist, mit den bevorstehenden, demografisch bedingten gesellschaftlichen Veränderungen fertig zu werden. Hohe Lebenserwartung, konstant niedrige Geburtenraten und eine beständige, nicht unerhebliche Migration werden unserer Ansicht nach bewirken, dass die Gesamtbevölkerung annähernd konstant bleibt. Das Durchschnittsalter wird wohl mehr oder minder stark ansteigen, aber vielleicht gar nicht als »Überalterung« empfunden.

  • Vielleicht werden sich die Lebensphasen neu verteilen, vielleicht werden die Menschen bis ins hohe Lebensalter berufstätig sein, jedoch in jüngeren Jahren zum Zweck der Weiterbildung, der Familiengründung oder der Erholung wiederholte und längere Sabbaticals (Langzeit-/Sonderurlaube) einlegen.
  • Vielleicht werden neue Tätigkeitsbilder und Arbeitsmodelle entstehen, die sich ganz selbstverständlich an den Wünschen und Bedürfnissen der Menschen aller Generationen ausrichten und lange Arbeitsunterbrechungen in jüngeren Jahren genauso unterstützen, wie berufliche Karriere im fortgeschrittenen Alter bei individuell erfolgtem Renteneintritt.
  • Vielleicht wird sich die Kinderfreundlichkeit in Deutschland verbessern und durch die vorteilhafteren Arbeitsbedingungen mehr junge Paare zur Fortpflanzung »verführen«. Vielleicht wird es zum Normalfall werden, dass die Frauen dank der Fortschritte in der Fertilitätsmedizin eher im Alter von über 50 Jahren Kinder zur Welt bringen.
  • Vielleicht vollzieht sich in näherer Zukunft tatsächlich ein Paradigmenwechsel, der eine Vereinbarkeit von Berufs-, Privat- und Familienleben nicht nur erlaubt, sondern massiv unterstützt. Vielleicht wird so die von der Generation Y viel beschworene ausgewogene Work-Life-Balance doch noch Wirklichkeit.

Vielleicht.

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