„Ich habe mich mein Leben lang noch nicht gelangweilt!“

Wenn Sie zu den wenigen gehören, die finanziell alles getan haben, was erforderlich ist, sich ein kleines oder größeres Vermögen für Ihren Ruhestand zu sichern, sich darüber hinaus mit einer Zusatzpflegeversicherung abgesichert haben und – das Wichtigste! – sich immer noch bester Gesundheit erfreuen, wiegen Sie sich vielleicht in Sicherheit und sagen sich: „Warum soll ich über den Ruhestand nachdenken, außer mich darauf freuen? Was soll ich schon groß planen? Ich werde endlich tun können, was ich will und wann ich es will. Ich werde reisen, faulenzen und genießen. Es wird wunderbar!“

Ich wünsche es Ihnen von Herzen, aber ich befürchte, dass es so nicht sein wird. Warum? Es geht mitnichten „nur“ darum, finanziell vorzusorgen, um drohende Altersarmut zu vermeiden.

Ich will gar nicht davon reden, dass durch eine plötzliche Krankheit alle Pläne, Hoffnungen und Wünsche von einem Moment zum anderen nichtig werden können. Nein, denn das kann uns in jedem Moment unseres Lebens passieren. Unfälle oder lebensbedrohliche Erkrankungen können Menschen jeden Alters ereilen. Auch wenn wir und unsere Lebenspartner mit steigendem Alter ein deutlich höheres Risiko zu erkranken haben – würden wir so denken, könnten wir überhaupt nichts mehr planen.

Nein, ich spreche von einem anderen Problem. Denn Vorsorgen heißt ja nicht nur die Sorge um finanzielle Ressourcen und Lebenserleichterungen, sondern auch Überlegungen zu unseren persönlichen Zukunftsperspektiven. Auch Reisen und Faulenzen kann schnell langweilen, wenn wir keine Erfolgserlebnisse mehr haben und zunehmend das Gefühl entwickeln, nicht mehr gebraucht zu werden und nichts mehr zu leisten.

„Solche Probleme werde ich nicht haben, im Gegenteil“, werden Sie vielleicht widersprechen. „Ich habe mich mein Leben lang noch nicht gelangweilt.“ Viele Menschen lassen den Ruhestand einfach auf sich zukommen – fallen dann in ein Loch.

Übrigens weiß ich selbst gut, wovon ich spreche – auch ich habe bis vor einigen Jahren aus dem Brustton der Überzeugung verkündet, dass ich bestimmt keine Mühe haben würde, meine Altersfreizeit zu gestalten. „Ich habe mich mein Leben lang noch nicht gelangweilt!“

Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen, nur von meinen Fehlern lernen – und versuchen, andere zur rechtzeitigen Einsicht zu bewegen. Daher: Tun Sie mir einen Gefallen? Tun Sie einfach so, als würden Sie mir glauben, bitte ;-).

Gehen Sie auf die Suche nach Ihren persönlichen Möglichkeiten, Leidenschaften und Berufungen. Entwickeln Sie – sozusagen als Plan B, falls Ihnen das Reisen, faulenzen und Genießen“ eines Tages doch langweilig wird – ein klares Konzept für ein sinnstiftendes Leben nach der Berufstätigkeit. Ob Ehrenamt, Mentoring- und Beratungsprojekt, Familienzeit oder Weltreise – prüfen Sie die Optionen auf ihre Umsetzbarkeit. Entwickeln Sie Ihren individuellen „Businessplan“, mit dem Sie strategisch und mit diebischer Freude Ihren lustvollen (Un-)Ruhestand vorbereiten.

Einfach so, als Spiel. Sie müssen es nicht ernst nehmen. Nur der Plan sollte ernsthaft und realistisch sein.

Wenn es dann wirklich soweit ist und Ihr Altersleben beginnt, fahren Sie ruhig erst einmal in die Karibik, legen Sie sich unter Palmen, segeln Sie, golfen Sie, lesen Sie. So lange Sie möchten.

Wetten, dass Sie spätestens nach 6 Monaten (vielleicht sogar nach 6 Wochen) das Gefühl beschleicht, ich könnte vielleicht doch Recht gehabt haben?

Bitte erzählen Sie mir in unserem [Diskussionsforum], ob ich recht oder unrecht hatte.

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